Aktuelles unserer Arbeit im Naturschutz



Berichterstattung zu dem Fachvortrag von Peter Schäfer, Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Grünberg


Wölfe! Was kommt da auf uns zu?
Zu diesem Thema hatte der VLF Grünberg, zusammen mit seinen Kooperationspart-nern (Imker, Jäger, Bayer CropScience und Stadt Grünberg), am 19.03.2018 zu einem Vortrag mit dem Wolfsexperten Ulrich Wotschikowsky eingeladen.
Gabriele Winter, als Vertreterin der Jägerschaft und der Naturlandstiftung konnte außer dem Referenten Ulrich Wotschikowsky und der Wolfsbeauftragten der hessischen Landesregie-rung, Frau Susanne Jokisch über 500 interessierte Zuhörer in der Gallushalle in Grünberg be-grüßen. Die Rückkehr der Wölfe in Deutschland, einem eng besiedelten Land, führt zuneh-mend zu Kontroversen. Jäger, Naturschützer, Landwirte mit Weidevieh und Bürger prallen in ihren Positionen aufeinander. Schreckensmeldungen aus dem Internet leisten dabei einen nicht unerheblichen Beitrag. Ein für alle Seiten brauchbares Wolfmanagement braucht jedoch einen kühlen Kopf und fundierte Sachkenntnis. Ulrich Wotschikowsky (78) ist studierter Förster und Wildbiologe. Er hat den staatlichen Forstdienst jedoch schon in den 70er Jahren verlassen. Nach einer journalistischen Zwischenstation bei einer Jagdzeitschrift gehörte er 17 Jahre lang als Fachmann für jagdbares Wild und die großen Prädatoren wie Wolf und Luchs der Wildbiologischen Gesellschaft München (WGM), an. Außerdem hat Wotschikowsky an einem Wolfsforschungsprojekt im kanadischen Yukon mitgewirkt. Er ist Mitglied der AG „Große Beutegreifer in Bayern“ und der „Large Carnivore Initiative for Europe“ (LCIE), die die EU in Fragen des Beutegreifer-Schutzes berät. Aktuell ist Ulrich Wotschikowsky am Wolfsmanagement in mehreren Bundesländern beteiligt.
In seinem Vortrag ging Ulrich Wotschikowsky zunächst auf die Lebensweise der Wölfe, die Bildung und Größe eines Rudels, sowie des Flächenbedarfs eines Rudels ein. Ein Rudel be-steht in der Regel aus 8 – 9 Wölfen (Elterntiere Welpen und Jährlinge). Bei der Wolfspopula-tion in Deutschland geht man derzeit von 60 Rudeln, weiteren 14 Paaren und 3 Einzelwölfen aus. Hieraus errechnet sich insgesamt ein Bestand von ca. 540 – 560 Tieren. Dieser Bestand erstreckt sich über die Länder Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpom-mern und teilweise Niedersachsen. Eine besonders hohe Wolfsdichte findet man in Sachsen, wo sich auf einem Gebiet von 2.400 km² 12 Rudel à 9 Wölfe = 108 Tiere befinden. Dies ent-spricht einer Dichte von 4,5 Wölfen/100 km². Nach Aussage des Referenten sind Dichten von > 4 Tiere/100 km² in den gemäßigten Breiten sehr selten. Die Wölfe sind zu 80 – 90 % in Ru-deln organisiert. Da sich die Wölfe zu über 90 % von Schalenwild ernähren, kommt es in Ge-bieten mit einer hohen Wilddichte auch zur verstärkten Ansiedlung der Wölfe. In Kenntnis der Lebensräume, die Wölfe mit ihren Rudeln benötigen könnten sich in Deutschland theore-tisch auf ¼ der Fläche Wölfe in Rudelverbänden niederlassen, während die verbleibenden ¾ der Fläche nur als Durchgangsland geeignet wären. Bei einer Wolfsdichte von 1 Rudel/200 km² könnten in Deutschland 440 Rudel, d.h. ca. 4.000 Wölfe leben. Bei einem weiterhin un-gebremsten Wachstum der Bestände könnte dieser Bestand bis 2023 erreicht sein. Hier stellt sich die Frage, wie gehen wir mit diesem Problem um. Ist die Bejagung des Wolfes sinnvoll? Diese Frage wurde eingeschränkt verneint. Bejagt werden müssen auf jeden Fall Problem-wölfe. In der Regel sind dies Tiere, die durch Futterkonditionierung die Scheu vor dem Men-schen verloren haben und für Menschen gefährlich werden können. Wolfsrudel richten sich gerne auf Truppenübungsplätzen ein, da in diesen Bereichen der Wildbesatz wegen fehlender Jagd extrem hoch ist. Gerade hier hat man festgestellt, dass Wölfe durch die gelegentliche Fütterung durch Soldaten ihre natürliche Scheu schnell verlieren können. Ist diese Scheu ver-loren, so kann der Wolf den Menschen gefährlich werden. Die tlw. sehr hohe Schalenwild-dichte in vielen Gebieten spricht eher gegen eine gezielte Bejagung der Wölfe. Laut Aussage des Referenten konnte in den Regionen, in denen sich Wolfsrudel angesiedelt haben, kein merkbarer Rückgang beim Schalenwild verzeichnet werden. Als Schutz für Weidetiere macht
die Bejagung auch wenig Sinn, da die Weidetiere auch bei geringer Wolfsdichte durch geeig-nete Maßnahmen vor dem Wolf geschützt werden müssen.
Zum Thema Schutz der Weidetiere vertritt Ulrich Wotschikowsky die Auffassung, wenn man den Wolf in Deutschland zurückhaben will, dann muss der wirtschaftliche Schaden bei den Weidetierhaltern von der Allgemeinheit angemessen entschädigt werden. Entschädigung heißt in diesem Zusammenhang nicht nur Ersatz für erbeutete Tiere, sondern auch die finanzielle Unterstützung für Zäune, die dem Wolf keinen Zugriff ermöglichen.
Nach dem Vortrag informierte die hessische Wolfsbeauftragte, Diplom Biologin Susanne Jo-kisch vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) über die Situation in Hessen. Während in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und auch Nieder-sachsen bereits Wolfsrudel in größerem Umfang sesshaft geworden sind, konnten in Hessen bislang nur Einzeltiere registriert werden. Hierbei handelt es sich um Tiere die ein- bzw. durchgewandert sind. Seit 2011 wurden in Hessen 8 Wölfe, von denen 3 Tiere als Verkehrs-opfer zu verzeichnen waren, registriert. Frau Jokisch wies daraufhin, dass es zum Thema Wolf immer aktuelle Informationen auf der Homepage des HLNUG unter www.hlnug.de gibt. Außerdem wurde eine Wolfshotline unter 0611 / 8153999 eingerichtet.
Der Vorsitzende des VLF Grünberg, Peter Schäfer bedankte sich nach der Diskussion bei den Referenten und stellte zusammenfassend fest, dass diese Veranstaltung auf jeden Fall zu einer Versachlichung in der Auseinandersetzung um die Rückkehr der Wölfe beigetragen hat.
Peter Schäfer, 05.04.2018