Berichte aus dem Naturschutz 2019

Sommerquartiere für Fledermäuse

In Koordination mit Ottfried Weber, Sprecher des Ausschluss für Naturschutz, trafen sich freiwillige Helfer am Vereinswasser in der Nähe der Schießanlage des Jagdvereins Hubertus , um Sommerquartiere für Fledermäuse anzubringen. Uli Zinn, Rudi Lerch und Friedrich Fay schreckten auch nicht davor zurück, die Kästen in luftiger Höhe an den Bäumen zu befestigen.

Im Anschluss wurde noch das Gelände rund um den Wasserlehrpfad des Vereins begutachtet und einem Frühjahrsputz unterzogen. Eine gemeinsame Kaffeerunde im Vereinsheim rundete den gelungenen Nachmittag ab.

Gabriele R. Winter, 21.04.2019

Bilder: Uli Zinn

Fachvortrag 2019

Pressebericht zum Fachvortrag 2019

 

Was können wir tun, um Bienen und Bestäuber zu unterstützen?

 

 

Fachvortrag der Kooperation zwischen Imkern, Landwirten und Jägern in Grünberg

 

 

In den bis auf den letzten Platz besetzten Condomerstuben der Gallushalle in Grünberg referierte Dr. Reinhold Siede, Agraringenieur des Bieneninstituts Kirchhain vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen(LLH) über „Schwund und Schutz von Bienen und Bestäubern. Was können wir tun?“

 

 Unstrittig sei dabei, dass 75 % der Insektenmasse verschwunden sei, was auch durch die Krefelderstudie 2017 belegt sei. Besonders Ameisen, Wespen und Großschmetterlinge stünden auf der Roten Liste. Bei der Honigbiene könne dabei kein gravierender Rückgang verzeichnet werden. Im Gegenteil, die Zahl der Imker wachse stetig, die Honigbiene werde gut betreut.

 

Anders sehe es bei den Wildbienen aus. Die Ursachen dafür seien vielfältig, führte Siede aus. Klimawandel, Verlust und Veränderung der Lebensräume, Urbanisierung, Lichtverschmutzung, Städtebau, intensivere Landwirtschaft und invasive Pflanzen und Tiere könnten für den Rückgang der Insekten verantwortlich sein. Am Ende der Kette stünde dann auch noch der Verbraucher, der heute nur 15 % seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgebe, 1850 seien es 61 % gewesen. Diese Preisentwicklung habe die landwirtschaftliche Produktion verändert.

 

Selbst wenn Betriebe von intensiver Grünlandbewirtschaftung auf extensiven Anbau umstellten, dauere es Jahre, bis die Pflanzenarten wieder zunähmen. Trotzdem sei die Liste der Maßnahmen lang, die zu einer Verbesserung der Nahrungs- und Lebenssituation der Insekten führen könne: Flächen zum Feldfutteranbau nutzen, Untersaaten in Getreide- und Maisschlägen, Anbau von Wildpflanzen zur Einspeisung in die Biogasanlagen, Anlage von bienenfreundlichen Sonderkulturen, wie z. B. Lein, Anbau von Zwischenfrüchten und Agroforstsysteme zählten dazu.

 

Einen besonderen Schwerpunkt legte Reinhold Siede auf den Anbau von Blühflächen und Blühstreifen.  Wichtig sei dabei zu beachten, dass die vorgesehene Fläche möglichst sauber sei. Um den Wuchs von nicht erwünschten Beikräutern zu verhindern, empfehle sich das Anwalzen, das das schnelle Auflaufen der Wildsaaten fördere. Besonders führe z.B. der Anbau der Kornblume durch den Aufschluss der Bodennährstoffe zu einer steigenden Bodenfruchtbarkeit bei Anschlusssaaten. Auch Grasland lasse sich durch eine umbruchlose Ansaat und einem anschließenden Schröpfschnitt mit Blütenpflanzen durchsetzen. Aber alle Mühe sei umsonst, wenn anschließend die Flächen nur abgemulcht würden. Das sei bedauerlicherweise gerade auch an Wegrändern, Gräben und Hängen der Fall, die durch die Kommunen gepflegt würden. Um solche Flächen langfristig zu erhalten, bedürfe es einen späten Schnitt und das Abfahren des Schnittgutes.

 

Im LLH gebe es eine Arbeitsgruppe, die dazu forsche: welche Pflanzen auf den Blühflächen haben welchen Nutzen für bestimmte Insekten und welcher Standort ist dann dafür geeignet? Als Schlüsselpflanzen hätten sich bereits die Färberkamille, Gänsefuß, Phaselia und Schafgarbe herausgestellt. Viele Insekten seien Spezialisten, die z.B. auf Grund ihrer Anatomie nur bestimmte Pflanzen anfliegen könnten. Der Bauernverband habe bei seiner aktuellen Saatmischung für Blühflächen das berücksichtigt. Aber auch  Betriebe der Saatgutherstellung berücksichtigten diese Faktoren.

 

Die Auseinandersetzung mit der Thematik des Artenschwunds führe zu einigen Zielkonflikten. So stünden Brot oder Blüte sich gegenüber, Pflanzenbau und Naturschutz, kommunale Interessen und Bestäuberbedürfnisse. Am Ende stehe der Konsument.“ Jeder kehre vor seiner Tür und die Welt ist sauber“, formulierte Siede seine These.  In jedem Hausgarten gebe es zahlreiche Möglichkeiten, den Insekten Nahrungsgrundlagen zu schaffen, z.B. durch das Anlegen einer Wildecke, Kräuter in die Blüte kommen lassen oder den Garten durch Pflanzen mit ungefüllten Blüten aufwerten. Mähroboter und die um sich greifende Steinkultur in Vorgärten seien der Tod unserer Insektenwelt. Diese Aussagen fanden eine vehemente Unterstützung bei der Zuhörerschaft.

 

Samuel Grutzky, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Grünberg und Umgebung e. V. dankte Dr. Reinhold Siede für seinen kompetenten Vortrag und verband dabei die Hoffnung, dass weiterhin in einem gemeinsamen Dialog Verbesserungen erreicht würden. Dazu trage die jahrelange gute Kooperation mit dem Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Grünberg, der Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e. V., des Jagdvereins Hubertus Gießen und Umgebung e.V., der Stadt Grünberg und Bodo Peth, landwirtschaftlicher Berater der CropeScience Deutschland GmbH, bei.

 

Gabriele R. Winter 20.03.2019