Berichte aus dem Naturschutz 2019


Der Ausschuss besucht die Blühflächen

Dieter Jüttemeier, Karl-Friedrich Thomsen, Ottfried Weber, Ralf Weber und Ulrich Zinn nutzten das Sommerwetter, um Bestandsaufnahme der Blühflächen 2019 zu machen. Weger der großen Hitze konzentrierte sich die Ortsbegehung nur auf den Raum Grünberg. Aber auch in anderen Regionen des Landkreises wurden Einsaaten durchgeführt.

In Stangenrod entstand diese Jahr eine neue Blühfläche am Ortsausgang. Die Fläche wurde als Blickfang in den Ort eingebunden.

Ausgesät wurde eine einjährige Blühmischung, die durch die Artenvielfalt besticht.

 

 

 

 

 

 

 

Bild: U.Zinn

Entlang eines Feldweges Richtung Belterhain legte Henning Schäfer einen langen Blühstreifen an, der im Frühsommer sehr farbenfroh leuchtete und viele Insekten anlockte.

Jetzt Ende des Sommers bleiben die Samen stehen. Das gibt vielen Kleinlebewesen und Käfern eine Nahrungsgrundlage im Herbst. Überdenken sollte der Betrachter sein Schönheitsbild. Nicht alles, was aufgeräumt wirkt, ist für die Natur nützlich. Leider werden solche Flächen manchmal zu schnell  abgemäht.

Bild: U. Zinn

Ein positives Beispiel für artengerechte Landschaftspflege ist die Fläche auf der anderen Seite des Weges. Dort blühen in diesem Jahr die Pflanzenreste aus dem Vorjahr. Also einfach mal was stehen lassen.

Wunderbar gestaltete sich in diesem Jahr der kilometerlange Blühstreifen von Grünberg nach Beltershain, der von Henning Schäfer angelegt wurde.

Diese Fläche wurde in diesem Jahr zum ersten Mal mit einer mehrjährigen Mischung eingesät. Die Fläche kam aus der Produktion, umso größer war das Erstaunen, dass sich die Melde großflächig gleich zu Beginn ausbreitete. Inzwischen kann man erkennen, dass die Aussaat nun ebenfalls aufgeht. Es wird spannend sein, was in den nächsten 2-4 Jahren daraus wird. Ein Gewinn ist die Fläche für Insekten, Hasen und Hühnern als Ruhe- und Nahrungsraum auf jeden Fall.

Bild 1/2 : U. Zinn

Eine Problemfläche gab es viele Jahre am alten Bahndamm. Einige Jahre lag die Fläche brach. Dann erwarb Ottfried Weber die Fläche. Es sollten dort verschiedene Aussaaten vorgestellt werden. Vergebens, der stumpfblättrige Ampfer gewann sofort die Oberhand. Der Samen bleibt bis zu 10 Jahren keimfähig. Auch neue Einsaaten in den Folgejahren blieben erfolglos. So wurde die Fläche wieder für 3 Jahre in die Produktion genommen. In diesem Jahr wurde am Rand ein neuer Versuch mit einer mehrjährigen Mischung unternommen, der erfolgreich war. In den nächsten Jahren wird man nun den Streifen alle 3 bis 4 Jahre auf der Fläche versetzen müssen, damit der Artenreichtum erhalten bleibt.

Bild: U.Zinn

Wunderbar gestaltete sich in diesem Jahr der kilometerlange Blühstreifen entlang des Radwegs nach Beltershain, der von Henning Schäfer in diesem Jahr mit einer einjährigen Mischung neu angelegt wurde. Solche Streifen können Besucherströme leiten und dabei auch Nahrung für Insekten geben. Als Rückzugsort für Tiere eignen sie sich weniger. Da wären Streifen in der Mitte der Kultur eine Möglichkeit. In Ettingshausen wurde dazu ein Versuch unternommen.

 

Rund um die Maisflächen wurden ebenfalls Blühstreifen angelegt, so z.B. in Stangenrod und Grünberg. Sie beleben das Bild der monotonen Maisflächen und ergeben evtl. Futtervorräte für trockene Zeiten.

Am Warthof entstand außerdem eine mehrjährige Blühfläche, in deren Mischung jedoch verhältnismäßig viel Phaselia war. Phaselia blüht schnell und internsiv im Frühjahr und ist zu dieser Zeit ein Insektenmagnet. Dann allerdings nimmt die übige Pflanzen den anderen das Licht, was man an dieser Fläche sieht. Dazu kommt in diesem Jahr die hohe Trockenheit. Da es aber eine mehrjährige Aussaat ist, wird sich das Bild im nächsten Jahr verbessern.

Die Trockenheit zeigt sich auch auf der Fläche in Saasen. Aber auch hier wurde mehrjährig ausgesät. Die Fläche ist groß genug, um Kleintieren Deckung und auch Nahrung im Winter zu geben.

 

Nach dem schweißteibenden Rundgang durch die Gemarkung waren Brezeln und kühle Getränke eine willkommene Erfrischung.

 

 

 

Bild: Karl - Friedrich Thomsen

Auf dem Weg zu dem Rastplatz in Lumda wurde die Gruppe von einem farbenfrohen Blühstreifen begleitet. Die Teilnehmer stellten fest, dass es doch nicht so einfach ist, langfristig erfolgreich Blühflächen anzulegen. Wie sich das Projekt weiter entwickeln wird, hängt auch in großem Maße von den Witterungsbedingungen in den kommenden Jahren ab. Starker Regen im Frühjahr kann das Ergebnis ebenfalls beeinflussen, wenn der Samen, der nur flach untergegeben wird, durch Sturzbäche davon geschwemmt wird.

Gabriele R. Winter 28.08.2019


Impressionen aus den Blühflächen 2019

Bilder: Gabriele Winter 26.08.2019


Sommerquartiere für Fledermäuse

In Koordination mit Ottfried Weber, Sprecher des Ausschluss für Naturschutz, trafen sich freiwillige Helfer am Vereinswasser in der Nähe der Schießanlage des Jagdvereins Hubertus , um Sommerquartiere für Fledermäuse anzubringen. Uli Zinn, Rudi Lerch und Friedrich Fay schreckten auch nicht davor zurück, die Kästen in luftiger Höhe an den Bäumen zu befestigen.

Im Anschluss wurde noch das Gelände rund um den Wasserlehrpfad des Vereins begutachtet und einem Frühjahrsputz unterzogen. Eine gemeinsame Kaffeerunde im Vereinsheim rundete den gelungenen Nachmittag ab.

Gabriele R. Winter, 21.04.2019

Bilder: Uli Zinn

Fachvortrag 2019

Pressebericht zum Fachvortrag 2019

 

Was können wir tun, um Bienen und Bestäuber zu unterstützen?

 

 

Fachvortrag der Kooperation zwischen Imkern, Landwirten und Jägern in Grünberg

 

 

In den bis auf den letzten Platz besetzten Condomerstuben der Gallushalle in Grünberg referierte Dr. Reinhold Siede, Agraringenieur des Bieneninstituts Kirchhain vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen(LLH) über „Schwund und Schutz von Bienen und Bestäubern. Was können wir tun?“

 

 Unstrittig sei dabei, dass 75 % der Insektenmasse verschwunden sei, was auch durch die Krefelderstudie 2017 belegt sei. Besonders Ameisen, Wespen und Großschmetterlinge stünden auf der Roten Liste. Bei der Honigbiene könne dabei kein gravierender Rückgang verzeichnet werden. Im Gegenteil, die Zahl der Imker wachse stetig, die Honigbiene werde gut betreut.

 

Anders sehe es bei den Wildbienen aus. Die Ursachen dafür seien vielfältig, führte Siede aus. Klimawandel, Verlust und Veränderung der Lebensräume, Urbanisierung, Lichtverschmutzung, Städtebau, intensivere Landwirtschaft und invasive Pflanzen und Tiere könnten für den Rückgang der Insekten verantwortlich sein. Am Ende der Kette stünde dann auch noch der Verbraucher, der heute nur 15 % seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgebe, 1850 seien es 61 % gewesen. Diese Preisentwicklung habe die landwirtschaftliche Produktion verändert.

 

Selbst wenn Betriebe von intensiver Grünlandbewirtschaftung auf extensiven Anbau umstellten, dauere es Jahre, bis die Pflanzenarten wieder zunähmen. Trotzdem sei die Liste der Maßnahmen lang, die zu einer Verbesserung der Nahrungs- und Lebenssituation der Insekten führen könne: Flächen zum Feldfutteranbau nutzen, Untersaaten in Getreide- und Maisschlägen, Anbau von Wildpflanzen zur Einspeisung in die Biogasanlagen, Anlage von bienenfreundlichen Sonderkulturen, wie z. B. Lein, Anbau von Zwischenfrüchten und Agroforstsysteme zählten dazu.

 

Einen besonderen Schwerpunkt legte Reinhold Siede auf den Anbau von Blühflächen und Blühstreifen.  Wichtig sei dabei zu beachten, dass die vorgesehene Fläche möglichst sauber sei. Um den Wuchs von nicht erwünschten Beikräutern zu verhindern, empfehle sich das Anwalzen, das das schnelle Auflaufen der Wildsaaten fördere. Besonders führe z.B. der Anbau der Kornblume durch den Aufschluss der Bodennährstoffe zu einer steigenden Bodenfruchtbarkeit bei Anschlusssaaten. Auch Grasland lasse sich durch eine umbruchlose Ansaat und einem anschließenden Schröpfschnitt mit Blütenpflanzen durchsetzen. Aber alle Mühe sei umsonst, wenn anschließend die Flächen nur abgemulcht würden. Das sei bedauerlicherweise gerade auch an Wegrändern, Gräben und Hängen der Fall, die durch die Kommunen gepflegt würden. Um solche Flächen langfristig zu erhalten, bedürfe es einen späten Schnitt und das Abfahren des Schnittgutes.

 

Im LLH gebe es eine Arbeitsgruppe, die dazu forsche: welche Pflanzen auf den Blühflächen haben welchen Nutzen für bestimmte Insekten und welcher Standort ist dann dafür geeignet? Als Schlüsselpflanzen hätten sich bereits die Färberkamille, Gänsefuß, Phaselia und Schafgarbe herausgestellt. Viele Insekten seien Spezialisten, die z.B. auf Grund ihrer Anatomie nur bestimmte Pflanzen anfliegen könnten. Der Bauernverband habe bei seiner aktuellen Saatmischung für Blühflächen das berücksichtigt. Aber auch  Betriebe der Saatgutherstellung berücksichtigten diese Faktoren.

 

Die Auseinandersetzung mit der Thematik des Artenschwunds führe zu einigen Zielkonflikten. So stünden Brot oder Blüte sich gegenüber, Pflanzenbau und Naturschutz, kommunale Interessen und Bestäuberbedürfnisse. Am Ende stehe der Konsument.“ Jeder kehre vor seiner Tür und die Welt ist sauber“, formulierte Siede seine These.  In jedem Hausgarten gebe es zahlreiche Möglichkeiten, den Insekten Nahrungsgrundlagen zu schaffen, z.B. durch das Anlegen einer Wildecke, Kräuter in die Blüte kommen lassen oder den Garten durch Pflanzen mit ungefüllten Blüten aufwerten. Mähroboter und die um sich greifende Steinkultur in Vorgärten seien der Tod unserer Insektenwelt. Diese Aussagen fanden eine vehemente Unterstützung bei der Zuhörerschaft.

 

Samuel Grutzky, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Grünberg und Umgebung e. V. dankte Dr. Reinhold Siede für seinen kompetenten Vortrag und verband dabei die Hoffnung, dass weiterhin in einem gemeinsamen Dialog Verbesserungen erreicht würden. Dazu trage die jahrelange gute Kooperation mit dem Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Grünberg, der Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e. V., des Jagdvereins Hubertus Gießen und Umgebung e.V., der Stadt Grünberg und Bodo Peth, landwirtschaftlicher Berater der CropeScience Deutschland GmbH, bei.

 

Gabriele R. Winter 20.03.2019